Eine Woche Malta und Gozo auf eigene Faust

Da die Insel sehr überschaubar ist und überall Englisch gesprochen wird, war es klar, alles selbst zu organisieren.
Air Malta fliegt günstig an und auch leichtes Übergepäck bereits zum Hinflug wurde lächelnd eingecheckt. Weitere vier Kilo toppten das für den Rückflug und ging ebenso unproblematisch durch mit dem Kommentar: “Schön, dass Sie soviel liebenswertes auf unserer Insel fanden zum Mitnehmen”.

Malta © Yvonne Heldic

Malta im Oktober hat immer noch warmes Wetter und viel Sonnenschein zu bieten, aber viel weniger Touristen, so dass es möglich war im La Meridien Phoenicia, dem Top Hotel vor Ort zu einem Superpreis eine Eck-Suite zu ergattern. Fast immer kann man in 5 Sterne Hotels außerhalb der Saison oder Messe günstig wohnen; oft sind es zwar nur die bescheidensten Räume, aber die Luxusbadezimmer sind ja immer da und vor allem der Service und die Angebote des Hotels stehen ebenso zur Verfügung. Es lohnt sich also, direkt anzufragen.
Am Hotel entlang führt ein Teil der Festungsmauer aus dem 16. Jhd. und die rund ums Hotel angelegten Gärten sind auch ein Augenschmaus. Von unserer Suite aus hatten wir einen tollen Blick in die Altstadt von Valletta und auf den historischen Busbahnhof. Das bisschen Lärm, den man zu hören bekam, war nicht weiter schlimm, denn die Pracht den supergepflegten Oldtimerbusse war ein Augenschmaus. Jeder Bus hat sozusagen seinen eigenen Fahrer, der mit Stolz seinen Bus tiptop in Schuss hält. Gut drauf waren die Fahrer alle. Die einzelnen Fahrten sind so günstig, dass man nicht eigens ein Budget einplanen muss.

Malta © Yvonne Heldic

Am ersten Tag haben wir uns gleich entschieden auf die gegenüberliegende Seite von Valletta zu fahren und die 3 Städte abzugehen, wovon jede einzelne mit einer Landzunge in die Bucht reicht.

Vittoriosa bot die meiste Aufregung für uns. Wir nahmen uns ausgiebig Zeit, das Fort zu ergründen und von oben einen tollen Blick auf Valletta zu genießen und auch die anderen zwei Städte (Senglea und Cospicua) zu bestaunen. Als wir das Fort verlassen wollten, war die Eisengittertüre mit einer Kette verschlossen. Nichts und niemand war mehr im Fort zu finden und auch die Fischer zu Fuße der steilen Klippe waren verschwunden. Mit einem Male war das mehr Aufregung für den ersten Tag als geplant. Natürlich waren auch die Handys im Hotel und so ohne Lunchpack waren die Aussichten nicht so toll. Nach ca. einer dreiviertel Stunde kam der sog. Nachtwächter. Eigentlich sollte es ja ein fliegender Wechsel sein, aber so genau nimmt man es nicht, da das Fort nicht so gut besucht wird. Uns unverständlich, da es sehr schön gelegen ist und auch einen guten Einblick in die Geschichte der Verteidigung Maltas gibt. Auf jeden Fall bescherte uns dieses Erlebnis einen netten Plausch mit dem Fortwächter.

Malta © Yvonne Heldic

Statt zu laufen bzw. den Bus zu nehmen, entschieden wir uns für das Übersetzen nach Valletta (bei ruhigerem Wellengang sogar bis St. Juliens möglich!!!) mit einem traditionellen Fischerboot, dem Dghajsas. Diese Boote sind alle in einem vertrauenswürdigen Zustand und wie in alten Zeiten in Bunt gehalten.

Valletta selbst ist in jeder Gasse interessant. Für Kirchenliebhaber gibt es bestimmt viel zu sehen; das war aber nicht so unsere Richtung. Die vielen Cafes luden oft zum Verweilen ein: Kaffee gut und die Backwaren erst!!! Also Hände weg von all-incl. Angeboten; da würde man ja das Essen der Straße verpassen! Die zahlreichen Treppen erlauben ja des Öfteren eine Einkehr 😉

Wenn man vom Busterminal her die Stadt betritt, gibt es in der ersten oder zweiten Seitenstraße links ein Fremdenverkehrsbüro nur für Gozo. Da gibt es viel Infomaterial und auch das Angebot für ca. 50 € einen Privat-Taxifahrer zu buchen, der einen überall hinbringt einen Tag lang auf Gozo. Sozusagen eine eigenen Chauffeur; nicht schlecht, da die Busse auf Gozo nicht ganz so oft fahren und man ja seine Fähre nicht verpassen möchte. Ein lohnendes Angebot für alle, die sich nicht trauen im Linksverkehr mit Mietauto unterwegs zu sein.
Unserer Erfahrung nach unbegründet, denn man findet sich leicht hinein; allerdings sollte man auf einen sehr flotten Fahrstil gefasst sein, denn je besser die Straßen, desto höher das Tempo. Gilt auch und vor allem für die Stadt.
Alle Mietautoanbieter zur Auswahl hat man am besten am Flughafen, den man mit dem Bus ganz schnell erreicht. Die Angebote sind günstiger als daheim zu buchen; vorallem solche Reste wie Fiat Panda gibt es für wenig Geld. Nachdem wir ja im Oktober keine Klimaanlage mehr brauchten (offenes Fenster reichte) und für zwei vollkommen genügte, war dies ein Mega-Schnäppchen.

Malta © Yvonne Heldic

Das Übersetzen mit der Fähre nach Gozo war auch unproblematisch.
Auf Gozo selbst war die Baustelle im Inselinneren der Umleitungsscherz schlechthin. Da es ja keine unnützen Straßen gibt, bedeutet Umleitung halt, einfach auf der Insel drumrum zufahren.
Sehenswert ist Gozo allemal, denn es ist eine grüne Insel, auf der auch Landwirtschaft betrieben wird. Also gleich mal die Gelegenheit nutzen, um frisches regionales Obst und Gemüse zu kosten. Denn auf Malta selbst ist fast alles importiert.
Die Ggantija Temples bei Xaghra in Inneren sind sehr sehenswert. Eine weitläufige Anlage auf der man die Möglichkeit hat, Fotos zu schießen ohne andere Menschen drauf zu haben. Die Echsen an den Gemäuerwänden hingegen sind gewünschte Motive.
Die Strände im Norden luden zum kleinen Badezwischenstopp ein und dann ging es auf zum bekannten Azur Window. Eine Felsformation, die ins Meer reicht mit Durchblick. Dort gibt es nur Steilklippen, aber so klares Wasser, dass die Taucher sich von Fischern dorthin bringen lassen. Wir hingegen genossen das Rumspazieren und stellenweise klettern auf den porösen Kalkboden. Auf dem Rückweg zur gegenüberliegenden Seite mit Fähranlegen machten wie einen Abstecher auf schmalen Straßen zur wenig bekannten Bucht Mgarr. Dort gibt es keinen Wellengang und man kann wundervoll dort schwimmen umgeben von hohen Kliffs. Das Übersetzen auf Malta während des Sonnenunterganges war ein gelungener Abschluss des eintägigen Ausfluges nach Gozo.
Wenn ich wieder mal dort Urlaub mache, werde ich zwei Tage für Gozo einplanen. Es lohnt sich!

Malta © Yvonne Heldic

Auf Malta gibt es einiges zu sehen und auch ein paar gute Stellen für Badetage wie Golden Bay, Mistra Bay und Mellieha Bay im Nordwesten der Insel. Im Südosten hingegen ist es felsiger, aber auch schön zum Baden. Da boten sich St. Thomas’ Bay und Marsaxlokk Bay an.
Ein gelungener Ausflugstag war mit den Zielen Blue Grotto, Mnajdra und Hagar Qim Temples verbunden, weiter nach Dingli Cliffs über Mdina und Rabat zurück über Sliema nach Valletta.
Ganz früh auf zur Blauen Grotte. Wir waren so pünktlich, dass es noch keine offiziellen Touren gab, aber wir überredeten einen Fischer uns alleine dorthin zu bringen. Diese Überredungskunst lohnte sich, da wir in aller Ruhe die verschiedenen Grotten bestaunen konnten. Das kleine Extraentgelt war es allemal wert, da ja Zeit das höchst Gut ist in unserem Urlaub.
Inzwischen waren die Tempelanlagen Mnajdra und Hagar Qim geöffnet. Wenn man dann den langen Weg Richtung Meer hinabgeht und die zwei Anlagen vor einem liegen, versteht man, warum schon 3000 v. Chr. hier gebaut wurde. Mächtig und erhaben muss die Landschaft gewirkt haben mit Meeresblick. Beide sind auf 3000 bis 2800 v. Chr. datiert und teils gut erhaltene neolithische Bauten. Weiter der Küste entlang ging es zum Dingli Kliff. Da es ja keine nennenswerten Erhebungen auf Malta gibt, ist dieser steile Abschnitt schon ungewöhnlich mit 250 Meter Tiefe. Wir gönnten uns dort ein kleines Picknick, um die Aussicht zu genießen. Dann fuhren wir weiter nach Rabat, der Stadt die mit Mdina zusammengewachsen ist; der Übergang ist aber gut zu erkennen, da Mdina eine geschlossene Stadtmauer hat. Die einstige Hauptstadt strotzt nur so von Kirchen, Klöstern und Palästen. Die herrschende Ruhe von weitgehend fehlendem Autoverkehr lässt diese Stadtbesichtigung einmalig werden. Viele Geschäfte bieten die berühmten Glaswaren an und auch die Stickereien lohnen einen Blick. Vom Aussichtspunkt hat man eigentlich einen Blick über fast ganz Malta. Ein Megazoom lässt die tollsten Ausblicke bis zu den Buchten ganz nah erscheinen und festhalten. Ein Fernglas muss unbedingt mit.
Statt direkt nach Valletta zurückzukehren, fuhren wir nach Sliema. Dort tobt das Leben nicht nur tagsüber, sondern auch zur späten Stunde. Es finden sich viele Restaurants an den Buchten, da schmeckte das Essen gleich viel besser. Die Küche ist sehr italienisch geprägt, auch der britische Einfluss kommt nicht zu kurz (und das ist nicht so schlimm, wie man gemeinhin annimmt!). Eine maltesische Spezialität, die uns sehr mundete, war so eine Art Burger auf maltesischem Brot. Mit Pasta und Pizza kann man zwar nichts falsch machen, aber man sollte die einheimische Küche schon kosten.

Ein Shoppingcenter in Birkirkara ließ uns am nächsten Tag dorthin zurückkehren. Viel guter und unwahrscheinlich günstiger Tee stellte meine größte Beute dar!
Aber es gibt viele Markengeschäfte ebenso wie kleine Läden für alles Mögliche. Auch der Buchtstrasse entlang in St. Juliens gibt es viele Geschäfte, die sich vor allem für einen Spaziereinkaufsbummel anbieten. Eine Fähre legt dort auch ab, um schnell nach Valletta zu kommen.
Alles in allem war dies ein gelungener eiwöchiger Urlaub. Die Zeit reicht aus, um alles Sehenswerte zu besichtigen und es blieb genügend Zeit zum Baden.
Die Einheimischen sind sehr kommunikativ, also nicht wundern, wenn man auf einer Bank sitzt und gedankenverloren sein Eis schleckt und angesprochen wird. Diese Menschen kommen ja nie irgendwohin, wenn sie nicht in einen Flieger steigen und deswegen wollen sie halt wissen, woher man kommt und was da so los ist. Als Frau muss man zu keiner Zeit Bedenken haben, wo auch immer zu welcher Uhrzeit unterwegs zu sein. Da schlägt das britische Benehmen voll durch.
Schreibt doch, welche Erfahrungen ihr so gemacht habt auf Malta und ob ihr auf diesem kleinen Juwel im Mittelmeer noch was unbekannteres entdeckt habt!

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