Von New York zu den Niagara Wasserfällen und zurück

Ein weiterer lohnender Tagesauflug während unseres New York Aufenthaltes. Dieser war nicht spontan entschieden wie mit “Amtrak nach Washington”, sondern vorab in Deutschland gebucht. Schon beim Planen mit Internet-Informationen u.ä. wurde mir klar, das mein zweiter Niagara Wasserfall Besuch ganz anders sein würde als der erste Anfang der 90er Jahre. In gewisser Weise kommerzieller, aber auch organisierter vor Ort.
Flugtickets habe ich hier gebucht; Auswahl gab es viel, aber einen Flug mit den passenden Zeiten zu finden, um den einzigen Expressbus-Anschluss zu schaffen am Flughafen von Buffalo, war schon eine Leistung. Die typischen Touristentransfers waren fast so teuer wie das Flugticket und auch der zeitliche Rahmen dadurch verkürzt. Nach unzähligen Forschungsarbeiten nach öffentlicher Verbindung bin ich endlich auf diesen Expressbus gestoßen.

Niagara©Yvonne Heldic

Mit einem der ersten Flüge nach Buffalo ab La Guardia Airport in Queens war die Nacht recht kurz nach der Rückkehr aus Washington. Aber die Vorfreude nach dem Weckerläuten setzte recht schnell ein. Mit dem Taxi ging es durch die leeren Straßen Manhattans und Queens. Auch am La Guardia Airport war es recht ruhig, so dass der Flug pünktlich startete. Unabdingbar, da wir nach der Landung gerade mal 10 Minuten hatten, um den Bus zu erreichen.
So pünktlich wir auch aus dem Propellerflieger kamen, mussten wir trotzdem einen Wahnsinns-Sprint hinlegen quer durch den Flughafen. Die uns zugeworfenen Blicke waren interessant, aber das gefürchtete “Halt” von irgendeiner Sicherheitskraft blieb zum Glück aus. Völlig außer Atem kamen wir endlich an der Haltestelle an. Der Bus fuhr auf die Minute ab und das Geld für das sehr günstige Rundticket musste exakt abgezählt sein. Überzahlung natürlich gestattet. Die Ausschilderung war nicht gut, so dass der zuvor “studierte” online-Lageplan des Flughafens sehr nützlich war zur Orientierung.
Nach knapp 45 Minuten waren wir am Rainbow Blvd. Einige Schritte nach links und schon war man auf dem Parkgelände des ältesten Nationalparks Amerikas und konnte über verschiedene Wege zum Visitor Center gelangen oder auch gleich zu den Kassenhäuschen, um zur Observation Brigde/Tower zu gelangen. Gleich anstellen empfiehlt sich, da kurz danach die Reisebusladungen anmarschieren. Leider hat sich nicht bei allen Touristen rumgesprochen, dass korrektes Schlangestehen Gesetz ist in Amerika. So mach einer flog aus der Reihe nach ganz hinten, so mach einer aber auch aus dem Park, der die Strecke zum Abfalleimer als zu anstrengend betrachtete. Betrachten durften diese dann die Wasserfälle von der Uferstraße aus. Ist auch so in Ordnung.

Während des nächsten Anstehens für die Aufzugfahrt hinunter zu den “Maid of the Mist” Booten, zogen wir uns gleich richtig an. Die ausgegebenen Regencapes sind eine schöne Dekor, aber fast nutzlos. Also Regenhose über die Hose, Regenjacke an, Kragen schließen und den blauen Plastikkittel drüber. Perfekt gewappnet ist man allerdings erst mit einer wasserdichten Kamera; denn sobald man sich im letzten Drittel an den kanadischen Horseshoe Wasserfällen befindet, ist die Gischt überall. Somit war mein Spontaneinkauf einer wasserdichten Kamera eine gute Entscheidung 3 Tage vor der Abreise;-). Zum Glück ist bei Amazon die Expresszustellung recht günstig.
Das Boot war voll, aber trotzdem ergatterten wir einen Platz ganz vorne. Nass wird man irgendwie überall, also war der Relingplatz gut. Eine Hand hatte was zum Festhalten, die andere knipste drauflos. Die Fahrt dauerte so zwanzig Minuten, aber ließ einem ausreichend Zeit, um beide Wasserfälle zu bestaunen. So nah dran zu sein an der Kraft des Wassers ist schon beeindruckend. Der ohrenbetäubende Lärm ist nicht nur auf dem Boot unglaublich; auch an Land ist der Geräuschpegel recht hoch. Wieder angekommen ging es erst mal in eine ruhige Ecke, um sich um zuziehen. Dann auf das obere Deck der Observation Brücke (rund 98 Meter), um die tolle Aussicht zu genießen und grinsend den neuen, trockenen Touristen beim Auslaufen der 150 Jahre alten Booten zu zusehen. Dadurch, dass die Observation Bridge so weit in den Fluss hineinreicht, kann man wunderbar alles in jeder Richtung überblicken.

Amish©Yvonne Heldic

Weiter ging es den Fluss Niagara entlang zu einer Fußgängerbrücke, die auf Goat Island führt, um zum Eingang der “Cave of the Winds” als Startpunkt zu den Hurrican Decks zu gelangen. Interessant wurde das Publikum, als wir die ersten Amish entdeckten, die nicht nur in dieser weltlichen Umgebung deplaziert wirkten in ihrer althergebrachten Bekleidung, sondern noch mehr auffielen, weil sie sich anscheinend sehr für Fotografie interessierten. Die neuesten digitalen Kameras waren da zu entdecken. Wobei solch ein unglaubliches, spektakuläres Erlebnis wie diese Wasserfälle natürlich auf Bild gebannt sein muss.
Nach dem Erhalt eines jetzt gelben Regencapes und Sandalen ging es wieder ans Umziehen. Leider gibt es keine verschließbaren Einrichtungen, so dass man seine Schuhe in den Rucksack packen muss, wenn man sie nicht einfach so da stehen lassen möchte. Den Rucksack dann unter das enge Cape kriegen, geht nicht ohne Hilfe. Wieder im üblichen Regenoutfit mit nackten Füßen in Sandalen ging es dann runter an das Ufer.

Aufstieg zum Hurricane Deck©Yvonne Heldic

Von dort gibt es dann versetzt aufsteigende Holztreppen mit Halteterrassen in unterschiedlicher Höhe. Unser Ziel war natürlich das Hurrican Deck, das seinen Namen zu Recht trägt. Viele geben schon vorher auf, aber eigentlich ist man nach der ersten Terrasse schon nass, so dass man sich dieses einmalige Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Nach dem zweiten Deck wurde es dann schon heftig. Meine Freundin musste sich von den Kontaktlinsen kontrolliert trennen, denn man hat wirklich Wasser in den Augen. Meine Brille musste ich auch verstauen, denn blind läuft es sich da nicht sicher in dieser Wasserwand. Und wenn das Wasser mit Wucht runterkommt und die Augäpfel trifft, ist das wirklich unangenehm. Aber umkehren kam nicht in Frage!

Und endlich waren wir oben angekommen!! Absolut fantastisch, diese Energie von Wasser zu erleben, mittendrin zu stehen. Das laute Tosen und der Wasserdampf sind grandios. Wie konnte es nur so (todes-)mutige Menschen geben, die in allen möglichen Gefährten diese Wasserfälle bezwingen wollten??!! Schon so nahe da nur zu stehen ist aufregend genug. Lange kann man das Schauspiel nicht genießen, da immer wieder Ausreißer in den Wassermassen waren, die das Deck mit voller Wucht trafen. Zurück im Park mit Blick von oben auf das Treppenbollwerk, zogen wir uns um…und durften feststellen, dass die Hosenbeine doch nass geworden sind und auch die Ärmel nicht verschont waren. Zum Glück kam die Sonne raus, so dass unsere Sachen bald trocken waren. Bei den tropfnassen anderen Touristen durfte man Mitleid haben, denn es gibt noch einige Anlaufpunkte an den Niagara Wasserfällen, die man gesehen haben muss und so nass kann das nicht Spaß machen. Auch hier war die wasserdichte Kamera unverzichtbar!

Hurricane Deck©Yvonne Heldic

Nach einem kurzen Aufwärmstopp gingen wir dann zum Grenzübergang nach Kanada über die lange Rainbow Bridge. Nicht umsonst so benannt, da man von dort aus sehr oft einen Regenbogen sehen kann. Am kanadischen Grenzposten baten wir um einen Stempel im Pass; automatisch bekommt man diesen anscheinend nicht mehr.
Die kanadische Seite ist von Amerika aus nicht sehenswert, da sie zugebaut ist mit Kasinos und Hotels. Nichts passt zusammen, aber was soll’s; jetzt lag das in unserem Rücken und wir konnten direkt am Hochufer entlang laufen bis zu den Horseshoefällen. Ein wunderbarer Spaziergang, den man aber zügig gehen sollte, denn den 17 Uhr-Bus muss man definitiv erwischen für den letzten Flug nach New York. Das Duty free ist gut sortiert, aber wirklich günstig ist nur Alkohol. Wie die Einfuhrbestimmungen gleich ein paar Meter weiter bei den Amerikanern sind, weiß ich nicht. So ohne Einkäufe waren wir auch gleich durch diesen Grenzpunkt . Jede Seite will allerdings ein paar coins Brückengebühr haben.

Die Aussicht auf die Seite der USA ist ein Traum. Nur in der Ferne sind ein paar höhere Gebäude zu sehen, aber nichts trübt wirklich den Blick auf die Wasserfälle. Da ja auch gerade der Indian Summer Einzug hielt, war das Fotografieren ein Tolles. Ganz kurz konnte man einen der berühmten Regenbogen sehen, aber es war sehr schnell vorbei, so dass ich nicht mal einen Schnappschuss machen konnte.

Niagara Wasserfälle©Yvonne Heldic

Der kleine Flughafen Buffalo verabschiedete uns pünktlich, sodass wir wie geplant gegen zehn Uhr abends wieder in La Guardia eintrafen. Mit dem Taxi ging es dann zurück Richtung Times Square. Die Taxifahrt war die Beste der vielen, die wir machen. Wie aus einem Film hatten wir einen indischen Taxifahrer, der auch den so typischen Akzent hatte beim Englisch reden. Er redete wie ein Wasserfall, blickte ständig zu uns nach hinten und raste mit über 100 km/h durch Queens, Astoria und einige Straßenzüge, die ich gemieden hätte. Der brachte uns in Rekordzeit zum Hotel und um einiges günstiger, da er die Tunnels mied. Ob der sich in Manhattan auch so auskennt, bezweifle ich, aber die Gebiete drumherum sind wohl sein Zuhause.
Alles in allem ein gelungener Tag. Man muss wirklich zu keinem Zeitpunkt überteuerte Arrangements buchen, die auch weniger Aufenthalt bieten, um die Niagara Wasserfälle zu sehen. Auch mit dem günstigen Greyhound verliert man einige Stunden. Fliegen und Bus sind die beste Kombination.

Die New York Tagesberichte werde ich im April einstellen. Bis dann….

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