Was für ein Tag auf Sylt! Mit Antarktis-Flair!!

Anfang Februar führte mich meine Reise nach Nordfriesland. Dort gab es nicht nur viel Schnee, sondern Massen davon, sodass das wirklich ein Wintermärchenurlaub wurde. Selbst aus bergigerer Umgebung kommend, war das flache Land so winterlich ausgestattet, wirklich eindrucksvoll. So ganz anders als ich es bisher kannte aus Frühling und Sommer.

Schafe bekam ich nicht zusehen, dafür hat dieser ungewöhnlich harte Winter andere Tier aus dem sonst versteckten Dasein hervorgebracht. Kaninchen trauten sich an Haus und Garten ganz nah heran (Rindeknabbern schien vorzüglich zu munden), Dutzende Singvögel waren zu beobachten und auch Rehe im Vorgarten gehen dieses Jahr als ganz normal durch. Auf den Feldern nahe der Straßen gab es Unmengen an ruhenden Schwänen, Gänsen und Enten zu sehen. Auch ein paar tapfere Ponys gab es hier und da.

Antarktis©Yvonne Heldic

Morsum Kliff©Yvonne Heldic

Am nächsten Tag ging es auf nach Sylt und bereits die Hinfahrt über das Eidersperrwerk ließ erahnen, dass sich Sylt von einer ganz anderen Seite zeigen würde. Auf der Eider schwammen bereits die dicken Eisschollen und als wir dann mit dem Autozug über den Hindenburgdamm fuhren, war nur “Packeis” zu sehen, soweit das Auge reichte. Ein selten schöner Anblick des Wattenmeeres.
In weiser Vorraussicht war auch eine Kuscheldecke mit dabei, denn so eine halbstündige Überfahrt dauert eigentlich schon fast eine Stunde mit Warten, Auffahren und wieder Abfahren in Westerland.
Von dort ging es gleich Richtung Morsum zum Morsum-Kliff. Ein einzigartiges Naturschutzgebiet, das von einer Spaziergangsroute bis zu längeren Wanderungen oberhalb und unterhalb des Kliffs einlädt. Bei eisigem Wind und Minustemperaturen entschieden wir uns für den Spaziergang oberhalb und auf den Holzstegweg. Da ja alles weiß war, waren nicht nur die Kaninchenköttel überall sichtbar, sondern auch einige Baueingänge. Der rote und gelbe Sand des Kliffs hinterließ verräterische Spuren. Ansonsten gab es dort nicht viel Tierisches zu sehen und abgesehen von uns zwei nicht mal eine Handvoll anderer Menschen, die das Wetter einfach nahmen, wie es war. Aber so konnte ich wenigstens menschenleere Landschaft fotografieren.
Der Grund für die drei verschiedenen Sande des Kliffs ist, dass sich Sedimente, die normalerweise in 100 m Tiefe zu finden sind, sich durch Druck und Schub von Eisgletschern an die Oberfläche drängten und sich schräg stellten. Diese Sande sind zwei bis sieben Millionen Jahre alt!
Auch für Bernsteinsuche ist das Kliff – relativ gesehen – eine Fundgrube.

Mondlanschaft©Yvonne Heldic

Danach ging es von diesem östlichsten Punkt Sylts auf zum nördlichsten, dem Ellenbogen. Dieser steht nicht nur unter Naturschutz, sondern ist auch Privatgelände. Die beiden Leuchttürme dort, das Ost – und Westfeuer sind von 1857.
Wir sind nicht auf direktem Wege dorthin, sondern durch die “Mondlandschaft” (Listland) gefahren. Rechts und links von uns nur mit Schnee bedeckte Dünen und über uns der pastellfarbene Horizont. Dieses Lichtspiel am Himmel entschädigt für den Sonnenschein, der lieber auf dem Festland blieb. Wie so oft, ist das Wetter auf Sylt so ganz anders als am Startplatz des Autozuges in Niebüll.
Mitten in diesem Niemandsland (aber nur weil’s so arg kalt war: keine Schafe, keine anderen Autos, kaum Menschen am Strand) gibt es einen Gourmettempel, die Strandhalle. Sehr gut gespeist und der Chai pur ist der Leckerste, den ich je hatte!
Diese ca. 5 km Piste schienen nie zu enden, da wir ja praktisch auf einer 15 cm Eisschicht dahinschlitterten. So ganz kontrolliert war der Fahrstil nicht, aber die Lust, diese Eis- und Schneelandschaft so für sich zu haben, ließ dieses Risiko ok erscheinen. Nach dem Verlassen dieser kostenfreien Straße geht dann irgendwann links in die kostenpflichtige ab zum Ellenbogen. Dort war ein klein bisschen mehr los – Schafe und Menschen. Am Endpunkt angekommen haben wir uns für die vollständige Umrundung entschieden. Bis auf das Gesicht waren wir ja gut warm & winddicht eingepackt und dieses seltene Naturschauspiel eines solchen Winters gab es zuletzt vor fast 20 Jahren. Eisschollen trieben nicht nur auf der See, sondern lagen auch ca. 1,5 m hoch auf dem Sandstrand, na ja eigentlich eher Schneestrand. Festgefrorene Eiszapfen waren tolle Fotomotive ebenso wie Fotos vom Erklimmen dieser Eisklötze.
Anfangs ist die Nordsee dort noch recht ruhig, so dass die Eisschollen z.B. ein beliebter Ruheplatz für verschiedene Vögel war.
Dann an der Spitze ist die Nordsee sehr wild mit Strömungen. Der Blick nach Römö war recht gut und da gerade eine der Syltfähren dort startete, warteten wir ab bis sie an uns vorbei fuhr. Dann ging es weiter auf die Nordseite, das Meer wurde wieder etwas ruhiger und der Wind zum Glück auch! Der Leuchtturm ist ein toller Anblick an einem solch wettergewaltigen Tag. Da kriegt man schon ein Gespür für die Notwendigkeit eines solchen Bauwerkes.
Dann ging es wieder zurück zum Parkplatz über eine leichte Anhöhe, von der man den anderen Leuchtturm bestaunen konnte. In dieser Senke davor, schön windstill, gab es auch endlich mal Schafe zu sehen. Karnickel sprangen auch überall umher und erfreuten sich am Futter und Heu der Schafe.

Hase und Schafe©Yvonne Heldic

Nach Kampen fuhren wir auf eisfreier Straße durch List. Unser Ziel war die Kupferkanne. Ein supertolles, ungewöhnliches Café. Einstmals war auf diesem großen, mit Bäumen gesäumten Gelände ein Bunker. Inzwischen über Generationen zum Café ausgebaut mit vielen Nischen, Treppen in tiefere Etagen und langen Gängen. Das Ganze ist irgendwie schon ein Irrgarten; auf jeden Fall muss man mit voller Konzentration die stille Örtlichkeit aufsuchen, um den Rückweg zu finden. Alles ist zwar sehr individuell eingerichtet, aber trotzdem geht man unbeabsichtigte Umwege. Dort wird auch noch selbst Kuchen gebacken, dementsprechend gut schmeckt es und die Stücke sind nur mit aller Macht zu bezwingen. Kaffee und Schokolade gibt es in großen Tassen. Also konnten wir uns so richtig aufwärmen für unsere Autozugrückfahrt. Der dazugehörige Garten ist auch zahlreich bestückt mit Bänken und Tischen. Die Aussicht auf das Wattenmeer ist auch super, da recht hoch gelegen.

Für mehr war dann leider nicht mehr Zeit! Westerland, Kaitum mit tollem Museum und der Süden müssen leider warten bis zum nächsten Besuch im Frühsommer. Auch waren wir schon zu spät dran, um nochmals an der Sylter Schokoladenmanufaktur vorbei zukommen. Hätte man das doch gleich getan auf dem Weg nach Morsum!!! Diese handgefertigten Köstlichkeiten sollte man sich eigentlich nicht entgehen lassen.

Die Rückfahrt in der Abenddämmerung verhieß gleich ein Nickerchen unter der Decke mit zurückgelegten Sitzen. Wir mussten ja noch eine ganz schöne Strecke bis nach Heide zurücklegen. Dieser Tag auf Sylt war so ganz anders, das genau über diesen geschrieben werden musste. Ein solcher Winter muss genutzt werden, um Altbekanntes mal anders zu erleben. Die Tagesausflüge nach Büsum, St. Peter Ording, Heide und Kiel waren auch speziell.

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