Berlin, wir fliegen nach Berlin….

lautete die Entscheidung, aber nicht, weil uns die Stadt so interessiert hätte, aber sie lag geografisch in etwa gleich weit entfernt von München und Stavanger. Noch dazu gab es Billigflüge und wir konnten uns am selben Flughafen treffen.

Berlin Mauer © Yvonne Heldic

Die S-Bahn Fahrt in die Stadt ließ erst mal auch nichts gutes verheißen, denn an jeder Station kamen Bettelnde und/oder Musizierende vorbei, die doch recht aufdringlich Geld forderten. Da war man in Versuchung, gleich wieder nach Hause zu wollen.

Dann endlich die Ankunft an der Friedrichstraße und ein kurzer Spaziergang zu unserem Hotel. Gesparte Fluginvestition wurde in ein 5 Stern Hotel investiert, das Westin Grand Hotel mit seiner berühmten Freitreppe. Die ist wirklich was besonderes; und auch so ist das Hotel schon ein Hingucker. Der Service und die Historie des Hotels stimmten gleich versöhnlich.

Viele “points of interests” hatten wir uns nicht rausgesucht, was auch gut war, da die Stadt samt der allgegenwärtigen, aufdringlichen Bettler, eine tolle Atmosphäre hatte und dann so richtig Lust machte, noch einiges spontan entschiedenes zu besuchen.

Berlin Checkpoint Charlie © Yvonne Heldic

Als erstes Stand natürlich Checkpoint Charlie auf dem Programm. In der Nähe der Münchner Ami-Siedlung lebend hatte man früher natürlich so einige Geschichten und Anekdoten erzählt bekommen von Stationierten und darum war es für uns persönlich sehr interessant vor Ort zu sein.
Sehenswert ist natürlich auch das bereits 1962 direkt am Checkpoint Charlie gelegene Mauermuseum. In vier Sprachen wird alles im Museum ausgeführt, es werden Originalobjekte gelungener Fluchten gezeigt, auch über die Geschichte und Geschehnisse der Mauer wird viel erzählt.

Die alten Grenzstempel, die angeboten wurden von alten Uniformträgern draußen am Checkpoint Charlie waren so verlockend, das wir unser Pässe zückten und diese einstempeln ließen. So ein einzigartiges Souvenir kann man sich schon gönnen und bezahlbar war es auch.

Auch der Spaziergang entlang der Spree, wo einst die Mauer verlief, war passend, um noch ein Gefühl von einer solchen Trennung zu verstehen. Natürlich war es toll, von beiden Seiten Fotos machen zu können und eine so junge Historie hautnah zu sehen. Dieses 1,3 km lange Teilstück wurde von vielen Künstlern gestaltet; auch bekannt als East Side Gallery.

Berlin Wendeltreppe © Yvonne Heldic

Weiter ging es dann zum Alexanderplatz, denn einen ersten Eindruck von Berlin wollten wir von oben haben. Die Aussicht aus der “Kugel” war weitreichend und so entschlossen wir uns, auch die Siegessäule zu erklimmen.
Dort stand bei weitem keine lange Schlange an, um Einlass zu bekommen. Kein Lift und gaaanz viele Treppen in Wendelform und recht schmal dazu, vor allem bei Gegenverkehr unangenehm, ließen nur hartgesottene erscheinen ;-).
Der Aufenthalt oben wurde zwar fotografisch sehr genossen, aber allzu lange konnten wir nicht bleiben, da der eisige Polarwind nur so ins Gesicht und an die Hände peitschte.

Leider hatten wir mit dem Wetter kein so großes Glück; es war zwar nur einen Tag richtig nass (Schneeregen), aber der eisige Wind an jedem Tag zwang zum Tragen von wattierten Regenhosen und Thermojacken samt langer Unterwäsche.
Täglich 4-5 Starbucks Café Besuche waren nötig, um sich aufzuwärmen von einem zum anderen Besichtigungspunkt. Zum Glück liebe ich ja Chai Latte und Schwarztee, sonst wären einem die wärmenden Getränke zum Hals rausgehangen.

Berlin Brandenburger Tor © Yvonne Heldic

Aber vom eisigen Wetter ließen wir uns nicht abhalten. So haben wir auch es auch durchgezogen, das Holocaust Denkmal in der Dämmerung und bei Nacht zu besichtigen. Was von außen wie Steine in Wellenform aussieht und nicht viel vom Thema vermittelt, wird eines besseren belehrt, wenn man es durchwandert; vor allem in düsteren/dunklen Lichtverhältnissen.
Anschließend genossen wir noch das beleuchtete Brandenburger Tor und hatten eine Menge Spaß mit dem Versuch Eigenportraits hinzukriegen mit dem Nachtmodus…aber mit eisigen, zittrigen Händen wurde das zu einer Zitterpartie und vielem Lachen. Den anderen Touristen erging es nicht anders.

Berlin vom Reichstag © Yvonne Heldic

Der Besuch des Reichstages war eine Spontanentscheidung, denn die Wahnsinns-Menschenmengen, die sich da jeden Tag ansammelten, waren in Relation zum Erlebnis einfach zu viel. Eines Spätnachmittags reichte die Schlange aber “nur” bis zum Ende der Treppenstufen, also stellten wir uns an. Glück war für uns, da sich viele Schulklassen dort tummelten und die Lehrer von einigen Klassen Mitleid hatten mit zwei einsamen Touris  und uns vorließen.
Wow, das war wirklich eine Ersparnis von ganz langer Wartezeit; denn erst dann sahen wir, das man gründlich durchleuchtet wurde, dann wieder anstehen musste für den Lift usw.
Kaum oben angekommen und auf den Weg durch Frischluft zur Reichstagskuppel setzte ein Dicke-Schneeflocken-Sturm ein, der einen geradezu in die Kuppel fegte. Dafür gab es zur Belohnung ganz tolle Aufnahmen von der Dämmerung über Berlin mit Schneetreiben.
Die Aussicht war toll und obwohl sich viele Leute tummelten, verlief sich die Masse recht gut. Die Kuppel ist wirklich eine wunderschöne Konstruktion.

Auch der Besuch des alten Olympiastadions war lohnenswert, da man sich ganz alleine auf den Gelände umschauen durfte. Nicht so wie in München, wo man brav im Grüppchen rumgeführt wird und alles auf Zeit ausgelegt ist.
Alleine schon der Weg von der U-Bahn bis zum Stadion ist toll, vor allem wenn der Parkplatz leer ist und man somit eine ungehinderte Sicht auf das immer näherkommende imposante Bauwerk hat.
Ungeachtet der negativen Historie für den Bau, ist der Bau selbst schon faszinierend. Ein bisschen wie in einer anderen Zeit, wenn man das Stadion fast für sich alleine hat und sich alles genau anschauen kann.
Witzig war auch der Trabbi-Corso um den Checkpoint Charlie. Leider hatten wir beide keine Führerschein dabei, deswegen konnten wir so ein Ding leider nicht “erfahren”. Toll wäre das schon gewesen, zwei faule Automatikfahrer damit mal zu konfrontieren.
Am Startpunkt dieser Fahrt ist nebenan auch gleich ein Heißluftballon, der leider wegen der starken Winde am Boden verankert blieb. Gerne hätten wir diesen Aufstieg gemacht.

Olympiastadium © Yvonne Heldic

Die Wilhelmsstraße gleich daneben brauchte dann schon einige Zeit, um richtig besichtigt zu werden und anschließend Zeit, um das alles zu verdauen.

Leichte Kost gönnten wir uns mit dem Besuch in Kaufhaus Lafayette. Für mich war allerdings das Untergeschoss von Interesse, da ich vermutete, dass es dort g’scheite Brioche geben muss. Mit meiner Vermutung lag ich richtig, so dass ich gleich welche für die restlichen Tage zum Frühstück einkaufte.
Die vermisse ich immer noch regelmäßig!!
Toll war auch das Kulturkaufhaus Dussmann; nicht nur zum Aufwärmen.

“Unter den Linden” war Ende November natürlich nicht der Hingucker, aber mit etwas Fantasie da so in Eiseskälte stehen, versuchten wir uns das Ganze in Frühlingsblüte vorzustellen und im Sommer, wenn jeder flaniert. So aber war es nur eine Straße zum Queren auf dem Weg Hotel.

Wer mal gut regional/typisch Berlinerisch Essen möchte, kann gut schlemmen in den Lokalen, die in den Unterbauten der Friedrichstraße (Bahnstation) untergebracht sind. Von 5 Abenden haben wir dreimal dort gegessen.
Auch der Bagel-Laden gleich gegenüber ist nicht zu verachten!

Schlendern ließ es sich natürlich wunderbar auf dem Kurfürstendamm, ebenso wie einkaufen. Herrausstechend ist natürlich die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. 1943 schwer zerstört, ist sie trotzdem wunderschön und imposant. Und seit 1987 befindet sich in der Turmruine eine Gedenkhalle über die Geschichte der Kirche.

Der Potsdamer Platz hat uns gut gefallen. Ein ganz moderner Platz, an dem zwar keine klare architektonische Linie zu finden ist, aber fast jeder Bau für sich gesehen ein Hingucker ist.

Berliner Bären © Yvonne Heldic

Gefallen haben uns die Berliner Bären an so vielen Orten. Alle sind sie eigentlich schön bemalt, so dass die Bären oft mit auf’s Foto mussten. Im Alexanderturm, Olympiastadion u.u.u. Übrigens, In München findet man überall in der Innenstadt Löwen, die auch sehr originell gestaltet sind.

Die Rückfahrt zum Flughafen war so knapp, das wir beinahe unsere Flüge verpasst hätten. Die Ansagen und Mitteilungen an den Bahnhöfen war mangelhaft, ebenso die Umstiegsmöglichkeiten. Der Anschluss an den Flughafen so früh morgens ist nicht direkt zu machen. An der zweiten Umstiegshaltestelle waren wir schon 8 verzweifelte Touristen. Wir fuhren dann gemeinsam zum Alexanderplatz zurück, allerdings ohne neue Tickets, denn dort sollten angeblich immer Taxis sein, denn telefonisch ging leider nichts mit Taxibestellung. Dort angekommen standen gerade mal zwei Taxis. Aber irgendwie schafften wir es jeweils zu viert und mit Gepäck uns hinein zuquetschen.

Fazit: Berlin lohnt sich auf jeden Fall, auch bei Eis und Sturm; aber wenn vermeidbar, vermeiden 😉 😉 Die Straßenbelästiger allerdings sind schon penetrant und man möchte sich das nicht wirklich bei gutem Wetter vorstellen. Und falls man Frühflieger ist, sollte man sich ein Taxi bestellen und auf den Öffentlichen Nahverkehr verzichten.

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