Archive for Februar, 2011

800 Meilen quer durch England…

in einer Woche und dazu noch ein Abstecher nach Wales.

Startpunkt der Tour war in Newcastle upon Tyne. Vom Flieger gleich in den bestellten Mietwagen. Der Flughafen und das Parkareal für Mietwagen ist überschaubar und liegt recht nah beieinander. So, mal kurz mental auf den Linksverkehr eingestellt und schon ging es los.

Hadrian's Wall © Yvonne Heldic

Erster Anlaufpunkt war natürlich Hadrian’s Wall bei Greenhead. Ein kleiner Wanderparkplatz gab uns die Gelegenheit, eine kleine Wanderung entlang des alten Grenzzaunes von England/Schottland zu machen. Entlang saftiger grüner Wiesen mit vielen Schafen – Glennkill lässt grüßen!-, einem  Aquädukt, das durch seine Höhe bestach wie auch durch sein Alter und eine Ausgrabungsstätte, waren interessante Fotomotive auf dem Weg zum Hadrian’s Wall. Auch Gleise durften überquert werden mit so netten Hinweisschildern wie “stop/listen/look”.
Alles in allem sehr idyllisch englisch. :o)

Obwohl wir im August unterwegs waren, war eigentlich keiner unserer Anlaufstationen überfüllt. Das merkten wir gleich, als wir jemanden suchten, der uns gemeinsam am Hadrian’s Wall fotografieren sollte.
Nach einigem Schäfchen zählen war es dann endlich so weit. Ein anderer Tourist; so weit so gut. Kaum die Kamera aus der Hand gegeben, schon blieb mein Herz stehen. Da ging die Dame mal kurz rückwärts für den besseren Bildausschnitt statt zu zoomen und stolperte prompt und in hohem Bogen auch meine Kamera. Ich wollte augenblicklich in Tränen ausbrechen, denn ohne Kamera wäre die Englandtour ja nix und mal so eine gescheite Kamera im Ausland kaufen war nicht im Budget eingeplant.
Aber nochmal Glück gehabt: die Kamera hat wirklich nur ein paar Kratzer abbekommen und die Batterien waren rausgeflogen; aber ansonsten hat sich das Alugehäuse wirklich bewährt.

Castlerigg Stone Ring © Yvonne Heldic

Dann ging es weiter Richtung Westen. Ein kleiner Stopp in Carlisle. Dort besichtigten wir Carlisle Castle. 900 Jahre auf dem Buckel, auf einem ehemaligen römischen Fort gebaut, war es auch das Gefängnis für Queen Mary of Scots.
In M&S deckten wir  uns mit paar Lebensmitteln ein. Der halbe Liter Clotted Cream mit Joghurt und frischen Walderdbeeren war eine Sünde!
Dann fuhren wir unseren Highlight entgegen: Lake District. Dort wollten wir knapp zwei Tage verbringen.
Unsere Strecke führte entlang des Ullswater. Eine sagenhaft schöne Landschaft, die wir fast alleine hatten für uns. Also waren Stopps überall möglich, wo auch immer es uns gefiel und nicht nur an den vorgegebenen viewing points.
Interessanterweise waren auch die Campingareale recht leer. Es scheint als das die Briten lieber außer Landes urlauben.

In Ambleside stellte sich die B & B Suche doch etwas umständlicher heraus als wir es von früherem GB Trips gewohnt waren. So klopften wir also an mehrere Türen, aber oft war der Preis für das dargebotene total überzogen.
Eine kleine Pension mit Parkplatz war dann doch ok. Der Blick von unserem Zimmer über das Städtchen war hübsch und auch der rege Betrieb eines in der Nähe liegenden Fish & Chips war ok; naja, nicht der Blick, sondern die Einkehr dort war ok ;o)

Snowdonia © Yvonne Heldic

Am ersten Abend allerdings gestaltete sich die Restaurantsuche als schwer. Es ist nun mal keine Großstadt, sodass um 21 Uhr alles geschlossen hatte. In einem Thai-Restaurant hatten wir aber Glück noch ein Plätzchen zu ergattern.
Die Pubs waren natürlich noch auf, sodass einen Guinness bzw. Applecider Absacker nichts im Wege stand, so wie jeden Abend eigentlich. Die Glückliche, die am nächsten Morgen nicht ans Steuer musste, durfte auch eines mehr genießen.

Am nächsten Morgen haben wir gleich eine Bootstour ab Waterhead gemacht. Wir entschieden uns, zu Fuß zum Anleger zu gehen. Es war ein angenehmer Spaziergang in der Morgensonne.
Die Bootsfahrt war wirklich lohnenswert. Diese wunderschöne hügelige Landschaft an sich vorüberziehen zu lassen und nicht nur aus dem Autofenster zu betrachten.

Interessanterweise stürmten auf dem Boot die Engländer gleich den Essbereich. Diese Erfahrung machten wir eigentlich überall. Wirklich irritierend! Kaum hatte das Schiff abgelegt, kam auch schon die Durchsage für Coke & Co und schon leerte sich das Deck. Die Überfahrt hätten sich die meisten also sparen können, denn von der tollen Aussicht bekam man ja unter Deck nicht viel mit. Mit dem Auto wären die nach Ambleside auch gekommen. Na ja, so einiges war anders in GB nach so vielen Jahre.

In Windermere sind wir nach einem kleinen Stadtspaziergang mit Frühstückspause ins Beatrix Potter Haus. Oh, wurden da Kindheitserinnerungen wach an die wunderbaren Geschichten. Heutzutage gibt es allerhand Artikel von den Beatrix Potter Figuren; angefangen bei Brettspielen zu Dekoartikeln und Plüschigem. Jetzt waren wir wenigstens finanziell in der Lage (keine Taschengeldabhängigkeit :o)) ein bisschen was zu erwerben: ein Kalender und eine neue Lieblingstasse.
Die Rückfahrt erfolgte auf einem sehr großen und alten Schiff. Ganz toll mit vielen Holzverkleidungen und vielen Sitzgelegenheiten an Deck.

Obwohl schon gegen 15 Uhr, entschieden wir uns eine kleine Wanderung zu unternehmen. Denn die Wasserfälle Stock Ghyll Forcr in Ambleside sollen sehr schön sein. Wir parkten in der Nähe der alten Mühle an der Durchfahrtsstraße und schon ging es los in den Wald. Es ist nur ein viertelstündiger Spaziergang zu diesen leicht zugänglichen Wasserfällen. 70 Meter verteilt über zwei Stufen stürtz das Wasser hinab. Er ist wirklich romantisch im Wald gelegen und auch die vielen Brücken, die dort queren, machen den Spaziergang zu einem besonderen Erlebnis.

Tags darauf entschieden wir uns für eine Wanderung entlang des Rydal Lakes. Die gletschergeprägten Berge sind wirklich hübsch, wenn auch baumlos. Es wanderten viele los, aber nach einer halben Stunde kehrten die meisten um, sodass wir die Natur für uns hatten.

Snowdonia Dampflok © Yvonne Heldic

Das letzte Stück Richtung Parkplatz mussten wir allerdings einen Sprint hinlegen, da die bezahlte Parkzeit ablief. In unseren Gefilden würde das nicht wirklich weiter stören; einen kleinen Unkostenbeitrag kann man unsere Strafzettel nennen. Aber in England versteht man da keinen Spaß. Unsinnigerweise soll man im Voraus wissen, wie lange die Wanderung dauert (als hätte man da Erfahrung!) und die Strafbeträge sind wirklich drastisch. Um auch jeglichem Schwindel entgegen zu wirken, muss man an einigen Parkplätzen sogar das Kennzeichen eingeben. Ist natürlich wirklich spaßig, wenn man einen Mietwagen fährt und der am anderen Ende des Areals geparkt ist. :o)

Statt den direkten Weg nach Windermere zu nehmen, entschieden wir uns fürs cruisen. Wo wir da eigentlich genau waren, konnten wir bis heute nicht mehr rekonstruieren, denn es war eigentlich “in the middle of nowhere”.
Meine Freundin erwies sich ein weiteres Mal als folgsame Fahrerin. Nach einer kurzen Ansage von mir “blinke und fahre da links rein”, fuhren wir ein einsames Sträßchen entlang, das man wirklich übersehen kann, aber meinem Adlerauge entgeht nichts, vor allem keine kleinen Schilder, die auf einen See hinweisen. Geparkt haben wir zwischen Bäumen. Dann gingen wir den See entlang, vorbei an alten Wassertürmen und einer wunderschönen Steinmauer. Der See ist von einer Seite von bewaldeten Bergen eingeschlossen, sodass der Ausblick von der begehbaren Seite einfach herrlich war. Lediglich 2 Radfahrer kamen uns entgegen; ein bisschen verwundert waren die schon ob zwei Menschen mit Kamera.
Die Idylle wurde jäh unterbrochen durch einen Kampfjet. Die schleichen sich ja wirklich absolut lautlos ran, erst wenn sie genau über einem sind, donnert es dermaßen, dass einem fast das Herz stehen bleibt. Aber dann setzt gleich der erhöhte Herzschlag ein.

So eine Überraschung erwischte uns noch zweimal während unserer Reise. Anscheinend bedeutet ja Naturschutzgebiet bei den Briten nicht viel. Die Dinger jagen oft und tief darüber hinweg, auch sind off-road Rennen in solchen Gegenden geduldet.

Wir vermuten mal, dass wir am Thilmere Lake waren. Denn wir waren ja auch in Keswick um einen der größten Steinkreise in England zu besichtigen. Stonehenge ist nicht nur am anderen Ende der Insel, sondern auch recht überfüllt und wirklich nahe kann man ja auch nicht ran.
Der Castlerigg Stone Circle ist eigentlich fast in der Ortschaft, aber bietet nach Nord und Süd einen fantastischen Ausblick. Wir hatten auf der einen Seite hohe, kahle Berge, die von schweren, bleiernen Wolken umgeben waren und auf der anderen Seite schien die Sonne auf wunderbar hügelige, mit Schafen “verzierte” Weideflächen. Wie alle Steinkreise in England, wurde auch dieser in der Zeit 2500 bis 1300 v. Chr. gebaut. Es handelt sich hier um einen Kreis mit 2 bis 3 Dutzend Steinen, die bis 2,5 Meter hoch sind und aus Schieferstein sind. Auf einer Seite sind sie glatt. Aber leider hinderte das die nervigen Touristenscharen (meist Asiaten) nicht, auf die Steine zu klettern. Super nervig, da es fast unmöglich war, schöne, wenn möglich menschenfreie Fotos zu machen. Da kann man so rückblickend schon verstehen, warum Stonehenge nur aus der Ferne zu bestaunen ist.

Yorkshire Dales © Yvonne Heldic

Via Kendal fuhren wir dann durch den Yorkshire Dales Nationalpark. Dort wollte ich vor allem das Viadukt der Zugstrecke von Settle nach Carlisle sehen. Im  PC-Trainsimulator bin ich diese Strecke ja schon gefahren und die realistische Umgebung war unglaublich.
Als ich dann endlich dort an der Brücke und einigen alten Steingebäuden war mit Blick auf die Weitläufigkeit des Viaduktes kam ich mir vor, als sei ich in meinem Trainsimulator game. ;o). Das Glück war mir weiter hold und kurz darauf kam ein Zug angeschnauft.
Wildes Winken unsererseits wurde mit Zugpfeifen beantwortet.

Eine Verschnaufpause legten wir in einem kleinen Ort ein, dort befand sich auch ein Briefkasten. Es erschien so unwirklich in dieser Gegend, dass ich doch glatt fragte, ob dieser wirklich geleert wird. Ich war bestimmt nicht die erste, aber auch nicht die letzte, die diese Frage stellte; darauf ließ das Grinsen des Bewohners des Miniortes schließen.
Im nächsten kleinen Ort wartete schon die nächste Herausforderung: wie kriegt man den Pfau von der Straße? So schön und prächtig er da auch seinen Balztanz vorführte, so lange dauerte es aber auch. Hupen beeindruckte nicht, aussteigen und verscheuchen war auch erfolglos. Den Leuten, die im kleinen Garten an der Straße saßen, gefiel diese Szenerie gut. Das war eindeutig am Zuprosten zu erkennen. Nach einer Ewigkeit durften wir endlich weiterfahren. Das nennt sich modere Wegelagerei.

Jetzt hatten wir eine lange Strecke vor uns, nämlich bis nach Wales. Das war nicht zu schaffen bis zum Spätnachmittag. Also musste die Besichtigung von Conwy Castle und die Llandudno Tramway und Snowdownia-visit total umgeplant werden. Inzwischen hatten wir nämlich festgestellt, das viele touristische Einrichtungen schon gegen 17 Uhr schließen. Schade eigentlich, da es in diesen nördlichen Gefilden ja recht spät dunkel wird. Also nahmen wir uns Zeit für diese Strecke und machten einen kleinen Halt in Wigan. Dieses tolle Städtchen ist zwischen Liverpool und Manchester gelegen. Es hat eine wirklich schöne Einkaufsmeile und am  Wigan Pier kann man schön spazierengehen mit vielen schönen Aussichten und Eindrücken.

Kaum haben wir Chester in England verlassen und die Grenze nach Wales überquert war doch so einiges anders. Allen voran die Straßen, deutlich besser ausgebaut und auch in sehr gutem Zustand. Da wussten wir allerdings noch nicht, dass wir sehr viel mehr Meilen hier runterreißen würden als geplant. Natürlich haben wir erstmal Conwy Bay angesteuert. Dort genossen wir einfach die letzten Sonnenstrahlen und die Abenddämmerung am Meer. Jetzt war es wieder an der leidigen Unterkunftsuche.

Conwy Castle © Yvonne Heldic

Obwohl wir viele B&B u.ä. in dieser Gegend sahen, wollten wir nach Betws-y-coed. Dort soll es ja so toll sein, ideal um zum Snowdownia Nationalpark zu gelangen und die Unterkünfte sollen ja direkt an der Straße liegen. Leider haben wir den  Reiseführer geglaubt.

Es war ausschließlich überteuert, sodass wir einfach weiterfuhren für ein abgelegeneres B&B, das wenigstens sauber und günstig sein sollte. Mehr Anspruch hatten wir nicht mehr. Wir fuhren durch dichte, dunkle Wälder mit fast keinem Lebenszeichen. Nach einer Stunde endlich ein kleines Lichtermeer und ein einziges freies Doppelzimmer. Ein bisschen spooky war es da schon, da der Weg zu den anderen Zimmern hinterm Haus entlang führte direkt an unserem Zimmer entlang. Die Schatten und Geräusche der unbekannten Wesen ließen keinen so guten Schlaf zu, denn das Schloss und die Fensterriegel waren eher Typ “schöne Deko”.

Frühstück war bähhhh, also packten wir alles ins Auto, zogen unsere Wanderbekleidung an und fuhren sehr früh nach Llanberis, um mit der Snowdown mountain railway hinaufzufahren. Leider war einen Wanderung zum Sumit nicht möglich, da einerseits das Wetter instabil war und andererseits der Zug nur bis zur vorletzten Station fuhr. Somit wäre der Aufstieg auch zu lang und steil gewesen.

Kaum hatten wir die Tickets gekauft, mussten wir leider zu mäkelnden Touristen werden. Denn es bestand keine freie Platzwahl auf den schmalen Holzbänken. Obwohl nicht mal annähernd zu 2/3 besetzt, mussten wir in einer vollen Kabine mit Plärrkindern aushalten. Aber unsere bitterbösen Mienen erlösten uns von dem Leid. Wir wurden höflich gebeten, ob wir nicht doch woanders sitzen wollen. Aber ja, rein in die nächste freie Kabine mit idealen Fotografiermöglichkeiten. Und schon war wieder ein herzliches Lachen auf unseren Gesichtern.

Die gemächliche Fahrt nach oben in wunderschön sich dahin schlängelnden Serpentinen war toll; überall winkende Wanderer und Schafe. Diese Landschaft ist wirklich bezaubernd. An der Endstation war es neblig, windig und kalt. Zum Glück waren wir mit Regenwindjacken gut vorbereitet. Nach kurzer Zeit kam ein weiterer Zug angetuckert, nämlich die berühmte Alte mit der Dampflok. Einfach toll! Die Besucher verstreuten sich recht schnell, sodass nur zwei erfrierende, zitternde Amerikaner da waren, die ein Foto von uns machen konnten. Das Foto wäre wirklich ein Hit geworden, wenn der “Fotograf” nicht so gezittert hätte. Andererseits ist das eines der lustigsten Bilder, das so eine einmalige Erinnerung daran hängt.
Wieder unten angekommen fuhren wir den See entlang zurück nach Betws-y-coed. Unterwegs picknickten wir an Wasserfällen.
Dann ging es direkt nach Conwy zum Conwy Castle, das von der unglaublich imposanten Hängebrücke mit der anderen Uferseite verbunden ist. Diese Suspension Brücke stammt aus dem Jahre 1826. Das Conwy Castle stammt aus dem 13. Jhd.

Dunstanburgh Ruine © Yvonne Heldic

Es ist wirklich sehenswert. Die begehbaren Castle walls umschließen einen Teil der Stadt. Wir marschierten zügig durch, denn wir wollten an diesem Tag auch noch zum Llandudno tramway.

Der Gipfel der Tramway Strecke (letztes Stück mit der Seilbahngondel) ist nicht nur eine landschaftliche Schönheit, deren Ruhe man genießen kann. Leider ist es auch ein großer, lauter Spielplatz mit Karussells und vielen Fast Food Einkehrmöglichkeiten, sodass man die frische Meeresbrise nur weit davon atmen konnte.

Trotz allem hat sich dieser Ausflug sehr gelohnt!!  Alleine schon die sehr steile Fahrt mit der Schienenseilbahn war ein Erlebnis für sich. Für Ängstliche nicht geeignet, da das Tempo beachtlich ist, vor allem auf der Rückfahrt!! Die Strecke verläuft auch oft direkt vor den Haustüren der Einwohner. So mal aus dem Haus stürmen sollte man dort nie.
1902 wurde diese Strecke eingeweiht und erfreut sich bis heute größter Beliebtheit. An Tagen mit gutem Wetter reicht die Aussicht schier unendlich. Snowdonia, Ilse of Man, Blackpool und sogar zum Lake District kann man sehen. Wären wir nicht gerade dort gewesen, hätte uns das Fernweh übermannt. Besonders genossen wir den Blick auf die irische See. Es herrschte auch Ebbe, was der Landschaft eine noch interessantere Tiefe gab.

Nach diesem sehr eingespannten Tag machten wir uns wieder auf die Straße. Wir waren noch recht unschlüssig, ob wir noch was anderes in Mittelengland sehen wollten oder gleich zurück nach Newcastle upon Tyne mit einer Übernachtung irgendwo. Dort dann shoppen und diese Woche langsam ausklingen lassen oder noch mehr Sehenswürdigkeiten.

Wir entschieden uns für eine Übernachtung in Stoke on Trent, wahrscheinlich eher bekannt als Hometown von Robbie Williams. Es lag auf der Strecke. Aber so einfach wie gedacht war es mal wieder nicht, ein Zimmer zu finden. Das riesige Hotel der Stadt war vollkommen ausgebucht, denn Engländer heiraten gerne am Wochenende mit viel Feiern.
Da rotierten wir mal wieder, müde und hungrig. Also ging es erstmal zum Safeway. Dort wurde richtig Essen  und Trinken (Guinness in der Dose und Applecider in big bottles) eingekauft.

Und da wir das Jahr 2007 schrieben, waren wir keine Besitzer von Internethandy & Co. Also wurde das TomTom nach einem Hotel befragt. Wir ließen uns einfach dorthin lotsen. Es lag gleich ein einer großen Verkehrsstraße und was Gott sei Dank ein Holiday Inn Express.

Da weiß man wenigstens, was man kriegt: das letzte Zimmer zum einen, zum anderen sehr teuer und rauchverqualmt war es auch. Das mussten wir zwangsläufig gleich reklamieren, denn eigentlich herrscht dort ein striktes Rauchverbot und überall hängen die Infos für drastische Strafen. Also meldeten wir das gleich, ließen es schriftlich fixieren, denn ich wollte mich absichern, da das Hotel ja meine Kreditkartennummer hatte und ich keine Lust hatte, irgendeinen Strafsatz darauf zu finden.

Es war eine lästige Angelegenheit, die dann letztendlich mit dem Manager geklärt werden musste. Als Entschädigung, weil ja auch nichts anderes frei war, bekamen wir einen Spezialpreis für diese und die  zwei nächsten Übernachtungen im Holiday Inn in Newcastle. Das war unser Glück, denn unser Budget für Übernachtungen war wirklich gesprengt. So zahlten wir für jede Holiday Inn Nacht “lediglich” 90€  anstatt fast 140€.

Wir fuhren dann ohne Umwege und Unterbrechungen nach Newcastle upon Tyne. Das Holiday Inn ist wunderbar im Zentrum gelegen mit Parkhaus. Nicht kostenfrei, aber bezahlbar. Wir gingen dann ein bisschen gemeinsam des Weges bis sich unsere Wege für’s  Shoppen trennten.

Als ich dann gegen 13 Uhr fix & fertig im Hotel ankam, lag meine Freundin schon auf dem Bett. Wir blickten uns nur an und fragten fast synchron: “Geh’n dir all die Menschen auch so auf den Geist und willst du nicht einfach weiter nach Norden fahren, um die Landschaft und das Meer zu sehen?”. Keine 10 Minuten später starteten wir wieder den Wagen und fuhren nach Bamburgh.

Bamburgh Castle © Yvonne Heldic

Bambough ist ein Bilderbuchstädtchen. Sehr beschaulich, am Meer gelegen, eine prächtige Burg thront hoch oben, viele kleinen Lädchen, die wirklich wertige Souvenirs verkaufen, säumen die Straßen. Da es in der Nähe die berühmte Vogelbrutinsel gibt (die werde ich auf jeden Fall bei meinem nächsten GB-Aufenthalt besuchen!!), gab es so viele verführerische Zeichnungen, Gemälde u.ä. mit meinen geliebten Papageientauchern/Puffins. Ich habe eine solche Schwäche für diese Clowns der Lüfte. In Norwegen habe ich einen ausgestopften gesehen; sie sind recht massig, aber wirklich lieblich. Dieser war übrigens eines natürlichen Todes gestorben und nicht erlegt worden zum Zwecke der Präparation.

Wir sahen uns nur kurz im Burghof um, denn das Meer lockte ungemein. Wir wählten den Weg quer durch die Dünen und verbrachten eine Stunde im Sonnenschein am Meer. Es war ja so beruhigend nach dem Menschenauflauf in Newcastle. Nach einer Woche Zweisamkeit, Natur und Ruhe war das einfach zu viel. Es wäre kein guter Abschluss unserer Reise geworden. So war das wirklich schön, denn wir wählten den Weg entlang der Küste zurück. Natürlich legten wir einige Stopps ein und aus der Ferne erhaschten wir immer wieder einen Blick auf ein uraltes Gemäuer. So etwas zieht mich ja magisch an! Also kurz die Straßenkarte gewälzt und schon ging es zielstrebig nach Dunstanburgh Castle.

Es war ein bisschen kompliziert mit der Anfahrt, denn das Visitor Center war schon geschlossen, aber wir wussten, dass es noch einen Weg geben muss. Denn die Leute, die dort auf den Wiesen liefen, sind ja auch von irgendwo gekommen. Nach einiger Rumkurverei fanden wir einen besseren Feldweg. Es war sehr zu geparkt, aber einen Großstadtmenschen wie mich fordert so eine kleine Lücke eher heraus, als das sie ängstigt. Das war auch gut so, denn vier Autos vor mir probierten es und gaben auf. Ich hab’ mich da nicht so und nach gefühlten 20 Mal reinschunkeln, war ich drin; die Autoschlange lange, aber englisch geduldig wartend.

Wir marschierten los, war es denn nun schon recht spät. Wir gingen querfeldein direkt auf die Ruine los. Hatten noch die Ruhe weg, ein geeignetes Plätzchen zu finden, um ein Selbstauslösefoto von uns zu machen bis es uns dämmerte, dass diese Fähnchen überall wohl eine Bedeutung haben könnten. Tja, es war ein Teil des Golfplatzes. Von nun an gingen wir weniger entspannt und etwas aussenherrum Richtung Ruine. Rumfliegende Golfbälle sind ja wahre Geschosse. Bald darauf stießen wir wieder auf den Wanderweg zum Dunstanburgh Castle.
Alles in allem hat sich dieser Abstecher auch gelohnt, denn die wunderschöne romantische Lage der Ruine direkt am Meer erfüllt ja jedes Klischee von englischen Gemäuern.

Gateshead Millenium Bridge © Yvonne Heldic

Zurück in Newcastle upon Tyne gingen wir auf Nightsightseeingtour nach einer ausgiebigen Mahlzeit. Diese Idee war wirklich ausgezeichnet.
Vor allem die vielen beleuchteten Brücken waren ein Hingucker, aber auch viele Gebäude waren sehr vorteilhaft ausgeleuchtet.
Am eindruckvollsten war natürlich die Gateshead Milleniumbridge. Mag London sein Riesenrad haben, aber diese Brücke mit ihren Farbspielen und der Beweglichkeit ist wirklich was tolles.
So kann am von überall dorthin schlendern, da die Promenaden wirklich schön sind. Wir verbrachten dort viel Zeit, auch um uns das Bauwerk genauer anzuschauen. Es ist riesig und auch die Überquerung ist genial mit Sitzmöglichkeiten, da die Brücke um die Längsachse durch ihre Angelpunkte rotiert werden kann, um Schiffen die Passage unter der Brücke zu ermöglichen.
Gut erklärt mit den passenden Fotos bei wikipedia!

Je später die Nacht wurde, desto bunter wurde das Publikum, aber auch betrunkener (englischer Volkssport) und so allmählich wurde es Zeit ins Hotel zurück zukehren. Wir mussten ja auch noch packen und etwas Schlaf bekommen, denn es hieß früh raus zum Flughafen; möglichst vor der Rushhour und mit genügen Zeit eingeplant für die Autorückgabe. Es klappte alles so gut wie bei der Ankunft. Die Rückgabe dauerte nur Minuten und der Fußweg zum Terminal war kurz.

Dann trennten sich unsere Wege. Meine Freundin flog direkt zurück nach Norwegen, für mich hieß es erst mal nach London. Bis dahin war ja alles gut gelaufen…aber London hatte es in sich. Dort natürlich war die Verspätung meiner Maschine nach Deutschland schon angekündigt. Aber trotz allem war mein Gepäck zu spät in München. Herrlich, sage ich nur. Naja, ich habe mir dann erst mal ein bayrisches Mittagessen gegönnt und dann ging’s ab nach Hause.

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