Archive for April, 2015

Grenzen überqueren…

…war eigentich nicht geplant als eine Schweiz-Erkundungsreise anstand.

Ziel der Schweiz-Sehenswürdigkeiten waren die Rheinfälle, die Rheinschlucht, die Jungfrauregion und natürlich das Matterhorn.
Aber wenn man schon mal einen Roadtrip plant, kann doch noch so einiges dazu kommen wie “dann nehmen wir halt den Mont Blanc auch noch mit”. Somit war ein Abstecher nach Frankreich dabei.
Auch der spontane Einfall, das Original Heididorf zu besuchen, um in Kindheitserinnerungen zu fröhnen, führte dazu, das Lichtenstein auch noch besichtigt werden wollte.                                        Und wenn man schon mal da ist, kann man ja gleich auch noch an den Bodensee. Somit wurde Lindau-Insel zu unserer letzten Station.

Die Reisevorbereitungen haben wir zum Glück schon recht früh begonnen, denn oft sind schon im Oktober die ersten Schließungen diverser Bergbahnen.
Somit entschieden wir uns für Anfang Oktober als Reisezeit; die meisten Touristen sind schon weg und die Skisaison ist noch nicht in Gange.

Weil die Schweiz ja allgemein als teuer verschrieen ist, haben wir uns entschieden, einige Übernachtungen in Jugendherbergen zu buchen und auch ein Halbtaxticket zu kaufen. Die hohe Einsatzgebühr lohnt sich durchaus, wenn man vieles besichtigen will und außerdem ist das Ganze ein Jahr gültig.

Die Reise begann erstmal mit der Abholung meiner Freundin am Münchener Flughafen; ihre Anreise war ja schon nicht ohne aus Norwegen, sodass sie die Fahrt bis Schaffhausen als Beifahrerin geniessen durfte.
Kurz vor der Einfahrt in die Schweiz erinnerten wir uns gerade noch rechtzeitig, die Vignette aufzukleben. Kaum über die Grenze gefahren, stand da auch schon ein Kontrolleur.

copyright Yvonne Heldic

copyright Yvonne Heldic

Da wir am nächsten Tag gegen Nachmittag im Grindelwald sein wollten, gab es für uns nur diesen Abend die Gelegenheit, die Rheinfälle mit Nachtbeleuchtung zu geniessen. Es war schon ein bisschen unheimlich, denn niemand sonst hatte sich dorthin verirrt. Nur wir zwei und dann sind wir doch eine sehr ausgiebige Runde spazieren gegangen. Am Schloß vorbei, hinab zu den Bahngleisen und dort entlang bis ganz nah zu den Fällen. Schön war der nächtliche Spaziergang nach einer so langen Fahrt auch.

 

Gegen 22 Uhr hieß es dann Richtung Jugendherberge zum Einchecken.
Die Jugendherberge in Schaffhausen ist in einem schönen alten Gebäude mit Stallungen drumrum untergebracht.
Leider alles so gut wie unbeleutet, sodass wir erst bei der zweiten Umrundung endlich den Eingang fanden. Drinnen lagen schon mit einer lieben Notiz unsere Schlüssel und Bettwäsche bereit.

Dann ging es weiter mit dem Suchen nach unserem Anbau – Eingang. Im zweiten Anlauf gefunden, Zimmer ebenso und schon ging es spassig weiter: ich musste schon grinsen, da meine Freundin es ja gar nicht so hat mit Haushaltsarbeit. Denn es hieß erst mal Bettenbeziehen gegen Mitternacht.
Obwohl die Stockbetten verführerisch waren, entschieden wir uns angemessen unseres Alters, die unteren Betten zu benutzen. Auch hielt sich die Begeisterung in Grenzen, was die gemeinsame Toiletten/Duschenbenutzung anging. Aber für eine Nacht konnten wir damit leben und das wirklich klasse Frühstück in der Jugendherberge war schon die Übernachtung wert. Und da ist es auch ganz leicht ins Gespräche mit anderen zu kommen; die großen Frühstückstische erleichterten dies.

copyright Yvonne Heldic

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Mit Bedacht entschieden wir uns für eine der ersten Überfahrten zum Felsen erklimmen am Rheinfall.

Die zur Verfügung gestellte Zeit ist nicht sehr grosszügig bemessen; also empfhielt es sich recht flott aufzusteigen, um nicht nur Zeit zum Fotografieren zu haben, sondern auch einfach die Aussicht und die Gischt im Gesicht zu genießen.
Natürlich waren wir die letzten, die wieder an Bord sprangen, aber wir konnten der Versuchung nicht widerstehen, als die anderen Touristen schon entfernter waren, endlich ein paar Fotos ohne andere Menschen zu machen. Den etwas pikierten Blick des ungeduldig wartenden Bootsführers setzten wir nur ein strahlendes Lächeln und ein Danke entgegen.
Kaum wieder übergesetzt, wimmelte es nur so von Touristen. Die Buslandungen wurden auf die Rheinfälle losgelassen. Wir entschieden uns für einen Uferspaziergang zu der Stelle, wo wir die Nacht davor umgekehrt waren. Wieder am Ausgangspunkt mussten natürlich die obligatorischen Karten an die Daheimgebliebenen geschickt werden.

Die Fahrt nach Grindelwald war landschaftlich sehr schön.
Am Brienzer See legten wir eine größere Rast ein und genossen den Sonnenschein. Man fühlte sich wirklich wie im Altweibersommer, aber leider war die Blätterfärbung der Bäume noch nicht postkartentauglich. Aber wir hatten ja noch 10 Tage vor uns und hofften auf die Indian Summer Impressionen.

Grindelwald ist ein bequemer Ort; genügend Geschäfte, viele Verbindungen mit Bus und Bahn. Weniger bequem sind die steilen Anstiege sobald man das Zentrum verlässt.
Die Jugendherberge liegt recht weit oben, bietet dafür aber einen spektakulären Ausblick ins Tal und die Berge. Wir wohnten im Anbau mit eben jenen Blick. Dort blieben wir zwei Nächte und Juhu: mit eigenem Bad und WC! Auch dort fühlten wir uns sehr wohl, denn die gemütlichen Gemeinschafträume und die Terasse sind sehr einladend.

Leider machte uns das Wetter etwas Sorgen und zu Recht: als wir am nächsten Morgen aufstanden, war leider die geplante Bus-Zug-Schifftour durch den Grindelwald nicht möglich.          Zu viel Schnee in höheren Lagen über Nacht und schon war der Betrieb auf dieser Strecke eingestellt.
Also hieß es schnell, alternativ was zu finden, denn wir wollten keinen Tag ohne Aktivität erleben.
Wir würden fündig für eine Schlechtwetterunternehmung: die Trummelbachfälle.

copyright Yvonne Heldic

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Dort fließt das Gletscherwasser von Eiger, Mönch und Jungfrau gemeinsam ins Tal.
Die Klamm ist auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Wir haben uns sogar für eine kombinierte Bahn/Bus Anreise entschieden, um das Auto auf einen der raren Parkplätze der Jugendhergerbe stehen zu lassen; diese Tickets gab es auch zum halben Preis mit der Halbtaxabokarte.
Die Bahnfahrt ging entlang des Gletscherbaches; das Wasser ist weißgrau und fließt wirklich wild dahin.
Der Anschluß klappte gut und von der Bushaltestelle zum Eingang der Klamm sind es nur ein paar Minuten.

Die Klamm muss natürlich erstiegen werden und Schuhe mit ordentlichem Profil empfehlen sich schon. Es gibt wirklich einige wunderschöne Fotostopps.
Recht weit oben ist dann eine Art Turm, durch den das Tageslicht einfällt. Ich entschied mich, den gesamten Abstieg zu Fuß zu machen; meine Freundin nahm den Lift.
Auch die Anschlüsse für die Rückfahrt klappten gut.

Davor machten wir aber noch einen Abstecher nach Interlaken. Natürlich war das Wetter dort genauso schlecht inkl. eines Sturzbaches von Regen. Der Interspar war unsere Rettung. Wohlig warm und trocken. Also kauften wir gleich wieder unseren Proviant.
Endlich wieder in der Jugenherberge genossen wir das eigene Bad für eine Aufwärmdusche und ein kleines Nickerchen.

 

Am nächsten Tag nahmen wir ungeachtet des Wetter und der Vorhersagen den geplanten Tagesausflug in Angriff.
Die Tickets hatten wir ja schon lange im voraus gekauft. Deshalb konnten wir gleich den warmen Zug besteigen und genossen die Fahrt auf das Jungfraujoch mit Umstieg am Klein Scheidegg mit Fensterplatz.

Es ist schon eine Leistung, wie der Zug diese Höhenmeter nimmt. Die Fahrt ging auch durch viele Terrassen. Die Schneemenge jetzt im Oktober gibt nur eine Ahnung von den Schneemengen im Winter.

Leider war uns der Blick auf die Eiger Nordwand nicht vergönnt. Je weiter wir aufstiegen, desto winterlicher wurde es. Wir waren ja zum Glück genau richtig angezogen, was man von der Mehrheit der anderen Touristen nicht sagen konnte. Die haben ganz eindeutig keinerlei Vorbereitungen getroffen und man sah sie dementsprechend schlotternd den ganzen Tag.

copyright Yvonne Heldic

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Oben angekommen sah man nur weiß! Aber was soll’s! Die ganzen Ausgänge waren gesperrt; nur eine Terrassentür war zu öffnen.

Ob das übersehen wurde, abzusperren, weiß ich nicht.

Wir ergriffen aber gleich unsere Chance und gingen hinaus in fast mius 13 °C und fast 70 kmh Windstärke.

Macht nix, wenn einen halt mal für einige Minuten die Wimpern erfrieren und eigentlich auch die Augäpfel sich kalt anfühlten.

copyright Yvonne Heldic

Wir gingen dann kurz wieder rein, um die wasserfeste Kamera auszupacken, alles andere weg und noch eine Mütze aufzusetzen. Gerade eben als wir wieder raus wollten, wurden wir von japanischen Touristen gefragt, ob sie mit uns ein Foto machen dürften. Wir sahen halt nach Wagemut und wildem Leben aus nach dem Kurzaufenthalt im Schneesturm :o)
Dieses Mal konnten wir länger draussen sein und einfach nur Spass im Schnee haben. Wir fotografierten, solange die Finger noch durchbluten waren.
Die Rückfahrt war genauso “aussichtslos” wie die Hinfahrt, aber wir hatten ja ein Erlebnis der besondern Art genießen dürfen. Zurück in Grindelwald sind wir erstmal essen gegangen; das Speiseangebot hoch oben war gar nicht prickelnd und wir bevorzugten den knurrenden Magen.

 

Am nächsten Tag ging es weiter nach Fiesch ohne den geplanten Zwischenstopp am Engelberg/Titlis. Dort wollten wir mit dem Rotor hinauf und im Icefunpark einige Abfahrten mit Schlitten u.ä. unternehmen. Nach näheren Infos lohnte sich das dann doch nicht.

Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, da das Wetter immer winterlicher wurde und somit der Paß, den wir nehmen wollten, geschlossen war; wie viele andere auch. Damit erhöhte sich auch das Verkehrsaufkommen erheblich auf der verbliebenen Strecke. Wir mussten also nach Furka zur Autoverlade.

copyright Yvonne Heldic

copyright Yvonne Heldic                                                                                  

Der Weg war eine einzige Rutschpartie, sodass wir uns eine Pause am Straßenrand gönnten bis die Schneeräumer unterwegs waren. Dann ging es mit Vorsicht einigermaßen.

Mit dem Autozug waren wir schnell auf der anderen Seite der Bergkette und somit hatten wir auch das schlechte Wetter abgehängt.

 

Leider war dies nicht von langer Dauer und der Regen setzte ein und wollte nicht mehr aufhören. Also gab es nix zu tun außer auf besseres Wetter zu hoffen und Alternativen zu finden.
Dies lies sich am besten in einem Schweizer Lokal machen, das regionale Küche anbot. Das Essen in Fiesch war so gut, dass wir auf unserer Rückreise wieder dort Halt machten, um zu schlemmen.
Der nächste Morgen war genauso verregnet wie befürchtet. Somit wurde der Aletschgletscher mit Eggishorn Erklimmung auf Eis gelegt mit der Hoffnung, auf der Rückreise besseres Wetter zu erwischen, um dies nachzuholen.

 

FORTSETZUNG FOLGT MIT ZERMATT, MATTERHORN, CHAMONIX, MONT BLANC UND VIELEM MEHR: bald…..versprochen.

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