Tagesausflug nach Washington mit Amtrak

Nicht das uns in New York langweilig war, aber die Gelegenheit, die Hauptstadt der USA zu sehen, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Da wir keine Hotelnacht doppelt zahlen wollten, kam eigentlich nur ein Tagestrip in Frage. Fliegen war eigentlich gleich keine Option, da der Zeitverlust mit Hinkommen, Sicherheitschecks u.ä. zu hoch war. Greyhound war nach genauerem Erfragen auch nicht das Wahre, obwohl wir gleich am Port Authority gewohnt haben. Die Fahrzeit ist recht lang, da es nicht nur Zwischenstopps gibt, sondern auch auf Umsteiger gewartet werden muss. Der Preis mit fast 100 $ für die Strecken, ohne dass man sicher sein kann, auch in dem gewählten Bus zu sitzen, ließen diese Idee auch gleich fallen. Automieten war kein Thema, denn das hätte man von Deutschland aus wesentlich günstiger machen können und außerdem war ja schon der Hudson River Valley – Trip per Auto geplant. Also ging es spät abends mal schnell zur Penn Station. Riesig ist dieser Bahnhof, sodass wir uns erst mal orientieren mussten, wo die überregionalen Züge abfahren. Dann hieß es erst mal Schlange stehen….als wir dann endlich die Informationen hatten (umgerechnet ca. 160 €) und die Tickets kaufen wollten, hieß es, nur mit Pass und wenn nicht bar gezahlt wird, muss der Kreditkartenzahler, der für die andere Person zahlt, noch ein extra Formblatt ausfüllen. Oh, wie nervig…also verschoben wir den Kauf auf den nächsten Tag. Dieser Sicherheitswahnsinn kann einen Touristen ganz schön in den Wahnsinn treiben!!

Unser Zug verließ gegen 6 Uhr die Penn Station Richtung Westen der USA; eine Stationen auf dem Weg nach DC war Philadelphia (hat auch eine ganz tolle Skyline!), dass einen sehr einladenden Eindruck hinterlassen hatte. Ganz bestimmt werde ich diese Stadt und Boston besuchen, wenn wir das nächste Mal New York unsicher machen.
Als wir in Washington.DC ankamen, genossen wir erst mal das Flair dieses wunderschönen Bahnhofes. Sobald man den Gleisbereich hinter sich lässt, fühlt man sich in alte Zeiten versetzt. Überall blankpoliertes Holz, kleine Läden, Deckenbögen und Säulen. Dort frühstückten wir auch auf. Nach einem kurzen Blick in den Stadtplan wussten wir, das Amtrak die beste Entscheidung war. Den Bahnhof durch den Vordereingang verlassen und immer geradeaus und schon steht man vor dem Kapitol. Einfacher ging’s wirklich nicht und wir konnten so auch unseren Zeitaufwand für den Rückweg ermitteln.

Natürlich wollten wir eine Kapitolführung, also auf ging es zum Schlange stehen: Sicherheitscheck mit Taschenkontrolle, dann mit Röntgen der Taschen 😉 und dann endlich rein ins Gebäude. Es ist sehr weitläufig, so dass die Touristenmassen einen nicht gleich erschlagen. Überall steht Info-Personal, dass einen eigentlich gleich mal abfängt; aber davon bitte nicht erschrecken lassen, denn wenn man die amerikanische Freundlichkeit richtig erwidern kann, kann man schon mal seine Wunschzeit bekommen für eine Tour. Wir wählten eine der letzten Touren, so das wir Washington-sightseeing vom anderen Ende starten konnten.

The White House©flickr/Scott Ableman

Mit dem Taxi ging es am schnellsten und auch recht günstig nach Georgetown. Ganz lieblich, anders kann man es nicht nennen; man fühlt sich sofort wohl und der Spaziergang am Potomac war toll. Für amerikanische Verhältnisse kleine Malls bestimmen das Einkaufen dort; sehr angenehm und jeder wird fündig. Ein kleines Mittagessen war noch drin, bevor wir aufbrachen zum Weißen Haus.
Tja, da steht es so nah und doch so fern, wenn man am Außenzaun steht. Auch jederzeit vertrieben zu werden, weil jemand aus der Tiefgarage rein oder raus muss, war nicht so berauschend. Aber als dann endlich Ruhe einkehrte (so für 5 Minuten) konnte man nicht nur das Weiße Haus auf sich wirken lassen, sich davor fotografieren lassen, sondern auch die wunderbare Symmetrie dieses Areals bewundern. Washington DC ist wirklich auf dem Reißbrett entstanden und genau umgesetzt worden.

Washington, DC©flickr/humbertomoreno

Dann ging es weiter zum Obelisk; leider gab es keine Resttagestickets. Das war wirklich ein Depressionsauslöser; das war der Moment in dem feststand, dass ich nie wieder ohne Internetphone oder Netbook in den Urlaub fahre. Hätten ja bloß ein paar Tage zuvor uns anmelden müssen, um eines zu ergattern. Dieser Kommentar war zwar mitfühlend gemeint, aber traf dennoch mitten ins Herz und hilft Spontanentscheidern auch nicht wirklich.
Da standen wir also an diesem sehr, sehr hohen Obelisk, der die perfekte Sicht auf diese Stadt bieten würde. Ganze 169,3 Meter hoch mit einer Basis von knapp 17 Metern ist es eines der imposantesten Obeliske der Welt. Es bildet die Achse mit dem Weißen Haus und dem Jefferson Memorial und liegt auf der Geraden zwischen dem Lincoln Memorial und dem Captiol State Building.
Dann spazierten wir zum Lincoln Reflecting Pool. Davor stoppten wir noch am World War II Memorial. Viele Fontänen und weißer Stein mit den jeweiligen Staaten und Kontinenten verzierten den ovalen Außenbereich, eine Art Torbogen symbolisierten den Pazifik und den Atlantik und auch eine riesige Wand mit den “Stars”, einer Unmenge davon, zum Frieden mahnend.

Jetzt dränge aber die Zeit für die Kapitolführung; da der Andrang bei der Sicherheit nicht abzuschätzen ist, schnappten wir uns das nächste Taxi und fuhren zum passenden Eingang. Das Warten dauerte viel länger als morgens, obwohl es nicht weniger Leute waren, aber leider mehr Teenies. Kein Benehmen, vordrängeln, was den Aufpassern nicht entging und zu Debatten führte. Dann die Diskussionen mit den Flüssigkeiten da zulassen. Oft entschied sich einer aus deren Gruppe halt zu bleiben und aufzupassen. Das wiederum gefiel den Aufpassern auch nicht: “nur eigenes ist ungefährlich aufzubewahren”. Da kann man schon verzweifeln, wenn die eigene Tour nur noch 12 Minuten entfernt ist. Generell kann man sagen, das mit keiner Sicherheitskraft in DC gut Kirschen essen ist; allesamt unfreundlich und frustriert. Das war in NY ganz anders. Immer ein Lächeln und freundlich und hilfsbereit.
Endlich drin und in der richtigen Reihe; oft fühlten wir uns im falschen Zeitalter, denn die Amish sind anscheinend sehr kulturell interessiert. Da standen wir nun zwischen Spitzenhäubchen, Sackkleidern und Wanderstiefeln. Das war schon was, so aus der Nähe mal genau hinschauen und hinhören zu dürfen.
Das Kapitol ist fantastisch! Die vielen Details an Wänden und Decken kann man gar nicht alle sehen und bestaunen, wenn man gleichzeitig dem interessanten Vortrag folgen möchte. Eine rundum gelungene Führung und der abschließende Besuch im Senat und Representative House war eine Überraschung, da tatsächlich getagt wurde und gerade eine hitzige Diskussion im Gange war bzgl. der Gesundheitsreform.
Wir trödelten extra kurz vor dem Schließen, damit wir das Kapitol menschenleer fotografieren konnten. Wir waren nämlich wirklich scharf drauf, jeweils ein Foto von uns zu haben vor den Senats- bzw. Representativtüren. Es hat geklappt:-)

Wir hatten genügend Zeit, um zu unserem Abendzug zu gelangen, also kehrten wir in ein Cafe im Bahnhofsgebäude ein. Es ist wirklich einen zweiten Blick wert. Nach dem Warten in der Lounge, den Ticketprüfen und dem Drängeln um Zug (Platzreservierungen gibt’s leider nicht/Drängeln können wir Deutsche aber recht gut), saßen wir endlich auf guten Plätzen und ließen den Tag Revue passieren.
Zugfahren mit Amtrak ist sehr gemütlich; viel Beinfreiheit und große Sitze. Kurz vor Mitternacht waren wir zurück in unserm Hotel. Dann hieß es, gleich ins Bett, pünktlich aus den Federn und alles zusammenpacken für einen Flug nach Buffalo, um die Niagara Wasserfälle einen Tag lang zu genießen! (Diesen Bericht stelle ich gegen Ende März ein)

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